BI „Für Osterode“ äußert erhebliche Bedenken zur Betreiberauswahl für Erstaufnahmestelle

Während die Erstaufnahmestelle in Osnabrück derzeit von der Diakonie betrieben wird, plant das Land Niedersachsen, sich bei der Osteroder Einrichtung nicht an eine Non-Profit-Organisation, sondern mit der Princess of Finkenwerder GmbH & Co. KG an einen gewinnorientierten Betreiber zu binden. Damit verbunden sind große Sorgen der Bevölkerung hinsichtlich der Unterbringungsqualität, wie die gestrige Informationsveranstaltung von Stadt Osterode, niedersächsischem Innenministerium und Investor gestern gezeigt hat. Die BI „Für Osterode“ teilt diese Bedenken. Gleichwohl sind die Vertreter der BI erfreut, dass durchweg eine erkennbare Willkommenskultur bei der Osteroder Bevölkerung zu verspüren ist.

„Durch die Auswahl des Eigentümers der Liegenschaft als Betreiber der Erstaufnahmestelle umgeht das Land Niedersachsen ein sonst notwendiges Vergabeverfahren. Der Verzicht auf eine öffentliche Ausschreibung ist dem erheblichen Zeitdruck geschuldet. Dies kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass durch diese Lösung weniger des investierten Geldes tatsächlich der Betreuung der Flüchtlinge zugute kommt und statt dessen der Betreiber Princess of Finkenwerder davon profitiert“, gibt Klaus-Richard Behling von der BI zu bedenken.

Problematisch sei, so Markus Lau, dass Princess of Finkenwerder bislang gar keine Erfahrung im Betrieb von Flüchtlingsunterkünften mitbringe: „Die Firma betreibt in ehemaligen Kasernengebäuden bislang nur Akteneinlagerungen, Rechenzentren und Serverräume. Die Betreuung und Begleitung von Flüchtlingen ist jedoch ungleich komplexer und stellt hohe Anforderungen an die Sachkenntnis und Erfahrung eines möglichen Betreibers.“

„Warum wurde eine reine Anmietung der Gebäude vom Eigentümer und ein anschließendes Vergabeverfahren mit Qualitätskriterien, die die Auswahl eines nicht profitorientierten Betreibers wie der Diakonie auch für die Osteroder Einrichtung ermöglicht hätten, nicht geprüft? Dies würde sicherstellen, dass es Transparenz bei den entstehenden Kosten der Einrichtung gibt und dass jeder Euro auch tatsächlich den Flüchtlingen zu Gute kommt“, so Jon Döring von der BI, „diese Chance wird nun aus Zeitgründen vertan.“

Die BI erneuerte ihren Wunsch nach einem Kommunikations- und Begegnungszentrums in der Kaserne, um den Kontakt zwischen der Osteroder Bevölkerung und den Flüchtlingen dauerhaft zu fördern und zu sichern. „Ein Tag der offenen Tür im Jahr reicht nicht aus“, so Bernd Hausmann, „ein Stadtteilzentrum mit Veranstaltungen, eine gemeinsame Nutzung von Sportstätten und Spielplätzen würden einen echten Dialog und die Integration erleichtern. Hier ist das Innenministerium gefordert, solche Angebote zu ermöglichen.“