Fusionsbedingtes Leitstellenchaos geht in die zweite Runde

Die Kreisverwaltung Goslar will vom 2009 mit dem Landkreis Osterode geschlossenen Vertrag über die Kooperation bei Feuerwehr- und Rettungseinsätzen zurücktreten oder diesen notfalls kündigen. Dies berichtet die Goslarsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe.

Für den Meinungsumschwung werden nun die bisherigen Probleme, der künftige Aufwand und die Orientierung des Kreises Osterode nach Süden vorgebracht.

"Damit wäre die Chance für eine vernünftige Leitstellensituation, die die Versorgung der Bevölkerung im Harzgebiet sicherstellt, vertan", warnt  Jon Döring von der Bürgerinitiative und führt an, dass Großleitstellen, wie die in Göttingen geplante, die erhofften Einsparungen erfahrungsgemäß nicht oder auf dem Rücken der Beschäftigten erzielen.  Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete im September 2012 über die dortige Großleitstelle: "In der Rettungsleitstelle der Region Hannover wächst der Unmut über die Arbeitsbedingungen. Beschäftigte klagen über eine hohe Arbeitsbelastung und viele Krankheitsfälle. Nach einer internen Statistik, so heißt es, seien 60 Prozent der Schichten in der Notrufzentrale unterbesetzt."

Die Kreisverwaltung in Goslar argumentiert, ein Verbund mit Osterode habe keine Zukunft, weil die Leitstelle bald in der Großleitstelle Göttingen aufgehe. Das sieht auch Kreisbrandmeister Uwe Borsutzky so.

Für die Bevölkerung in Osterode stellt sich die Aufgabe der gemeinsamen Leitstelle mit Goslar als "worst case" dar. Eine Zusammenarbeit mit Göttingen wird große Probleme mit der Ortskenntnis der Beeschäftigten aufwerfen.

In Neumünster beispielsweise wurde eine Zusammenarbeit mit Norderstedt beendet. Der Modellversuch habe die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, sagte Kreisbrandmeister Sven Kasulke im Gespräch mit der NDR 1 Welle Nord. So habe es keine wirklichen Spareffekte bei den Kosten gegeben. Unausgesprochen steht im Raum, dass auch einiges schief gelaufen ist. So wurden die Löschzüge der Feuerwehr Neumünster in einigen Fällen zu einer falschen Adresse geschickt, weil dem Disponenten in der Leitstelle in Norderstedt die Ortskenntnis fehlte.