Göttingen alleiniger Profiteur der südniedersächsischen Ausrichtung: BI „Für Osterode“ nimmt Stellung zur Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Die Bürgerinitiative Osterode warnt, die Ergebnisse der Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für die Fusionsentscheidung überzubewerten. Zum einen sei die positive Auswirkung einer Kreisfusion mit dem Landkreis Goslar überhaupt nicht untersucht worden, ein Vergleich der Effekte deswegen schon nicht transparent möglich. Das Beispiel der Region Hannover zeige zudem, dass nur das Oberzentrum eines Metropolraumes profitiert und die Randbereiche ausbluten, weil die Sogwirkung zunimmt und die Politik das Umland vernachlässigt. „Wir befürchten eine erhebliche Verstärkung der negativen Bevölkerungsentwicklung in Osterode“, so Dr. Thomas Grammel von der Bürgerinitiative „Für Osterode“.

„Die meisten Wegzüge erleidet der Landkreis Osterode durch die Wanderungsbewegungen der 18-25jährigen, also derjenigen, die in eine Berufsausbildung starten, einen Arbeitsplatz suchen oder eine Familie gründen“, so Döring, „Göttingen ist dabei der Hauptprofiteur. Dieser Prozess wird sich nach einer Fusion mit dem Landkreis Göttingen noch erheblich zum Nachteil Osterodes verstärken, dies beweisen die Wanderungsbewegungen der vergangenen Jahre im Großraum Hannover.“

Ziel für den Landkreis Osterode müsse sein, Jugendliche und junge Erwachsene vor Ort zu halten. Dies könne nur durch einen auf einen problemorientiert ausgerichteten Zuschnitt der beruflichen Bildung, beispielsweise im Rahmen der Schulträgerschaft eines Landkreises gelingen. Ein Negativbeispiel der Kooperation sei hingegen die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen. Sie, so Döring, zeige das Problem der Situation von Ausbildung im Landkreis Osterode am deutlichsten: „Nicht ein einziger Netzwerkpartner der BIGS hat seinen Hauptsitz bei uns, wie soll so durch spezifische auf Harzer Probleme ausgerichtete Bildungslösungen Arbeit und Ausbildung vor Ort gesichert werden? Die Zahlen der vergangenen Jahre belegen, dass die Ausrichtung nach Göttingen dem Landkreis Osterode geschadet hat.“

In einer E-Mail an Jon Döring hat Mathis Weselmann von der BIGS bestätigt, dass die meisten der Kooperationspartner nur eine Geschäftsstelle in Osterode unterhielten, sich der Hauptsitz aber in anderen Städten befinde. Die Abwanderung junger Erwachsener aus dem Harzraum perspektivisch zu stoppen gelinge nur mit Strategien, die mit Partnern vor Ort erarbeitet und mit Bildungsangeboten, die mit den im Harz zukunftsfähigen Clustern Tourismus, Erneuerbare Energien, Automotive und Elektromobilität sinnvoll vernetzt werden.

„Göttingen ist und bleibt Hauptprofiteur einer südniedersächsischen Ausrichtung des Landkreises Osterode, die Probleme unserer Bevölkerung können dadurch jedoch nicht gelöst werden. Was wir brauchen, sind Ansiedlungen neuer Betriebe vor Ort, beispielsweise in der Hotellerie. Die Arbeit der Initiative Zukunft Harz und die jüngste Großinvestition der Lüder-Gruppe auf Torfhaus zeigen, dass der Westharz aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist, hingegen seien Ausgründungen aus der Universität Göttingen im Landkreis Osterode kaum zu beobachten.

© BI „Für Osterode“