Geringe Stichprobengröße und uneindeutige, teilweise die Meinung vorprägende Items belasten IHK-Umfrage zur Kreisfusion

Die IHK Hannover beendet heute eine Umfrage zur Kreisfusion. Lediglich 40 Mitglieder des Wirtschaftsausschusses Osterode haben den aus drei Fragen bestehenden Bogen erhalten. Die Bürgerinitiative „Für Osterode“ hat Prof. Dr. Jan Schilling, der an der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Hannover als Sozialwissenschaftler tätig ist, gebeten, zum Fragebogen und zur Untersuchung Stellung zu nehmen.

Schilling hält es insbesondere für „gewagt, das Ergebnis als repräsentativ für die Unternehmen des Landkreises anzusehen“ und führt weiter aus, dass „bei einer so kleinen Stichprobe die Ergebnisse mit einer sehr hohen Unsicherheit verbunden“ seien.

„Wenn man beispielsweise eine Population von 500 Unternehmen hat, so würde bei einer Unsicherheit von +/- 10% in Bezug auf das Ergebnis (was ja nicht sehr gering ist) eine Stichprobegröße von mindestens 81 erforderlich sein. Um eine geringere Unsicherheit von +/- 5% zu erreichen, wäre bereits eine Stichprobe von 217 erforderlich. Bei größeren Populationen steigt die Stichprobengröße zwar zunehmend moderater, nichtsdestotrotz aber wäre eine größere Stichprobe erforderlich, um die Aussagekraft für die Population der Unternehmen im Landkreis zu untermauern“, so Schilling.

Weiterhin kritisiert Schilling die Fragen, die nicht nur mißverständlich formuliert, sondern auch durch „teilweise die Meinung vorprägende Items belastet sind“. Als Beispiel führt er Frage 2 des Bogens an: „Es wäre sicherlich ratsam gewesen, direkt danach zu fragen, ob eine Fusion der Landkreise Osterode und Goslar wirtschaftliche Strukturen/Verflechtungen aufbricht. Und als zweites: ob die Entwicklung der Wirtschaft dadurch auf Jahre gehemmt wird. Der Fairness halber hätte man diese Frage vielleicht auch in Bezug auf die Fusion mit Göttingen und Northeim stellen sollen.“

Auch mangelt es an einer ausgewogenen Gestaltung. Schilling macht dies an Frage 1 fest: „Zum fairen Vergleich wäre interessant gewesen, die Frage zu stellen: Unsere wirtschaftlichen Verflechtungen sind im hohen Maße auf den Raum Goslar - Osterode ausgerichtet.“

Der Sozialwissenschaftler betont in seiner abschließenden Würdigung: „...die Untersuchungsergebnisse der IHK-Umfrage zur Kreisfusion sind mit einer sehr hohen Unsicherheit (durch geringe Stichprobengröße und uneindeutige, teilweise die Meinung vorprägende Items) belastet. Insoweit sollte die Interpretation nur mit sehr großer Vorsicht vorgenommen werden“

Die Bürgerinitiative „Für Osterode“ möchte im Vorfeld der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse die Bevölkerung über die Mängel im Untersuchungsdesign und die Prognoseunsicherheit informieren und durch Veröffentlichung der teilweise suggestiv formulierten Fragen jedem Bürger ermöglichen, die Ergebnisse der Umfrage für sich einzuschätzen.

© BI „Für Osterode“

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