Kasernengebäude laut NDR-Informationen mit Giftstoffen belastet

„Während das Land Niedersachsen fieberhaft versucht, menschenwürdige Unterkünfte für Asylsuchende zu finden, geht die Achterbahnfahrt um die Osteroder Kaserne in eine neue Runde. Wir können gut verstehen, dass Til Schweiger sich mit seiner Hilfe im Moment auf eine bestehende Erstaufnahmeeinrichtung in Osnabrück konzentrieren möchte“, bedauert Bernd Hausmann von der Bürgerinitiative „Für Osterode“ e.V.

Aysel Yilmaz von Schweigers Agentur Barefootfilms erläuterte am Mittwoch gegenüber der BI: „Um schnelle und konkrete Hilfe zu leisten, wird sich Til Schweiger mit seiner Stiftung zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachsen engagieren, die vor gut einem halben Jahr in Osnabrück gegründet wurde. Details hierzu werden seitens der Stiftung mit dem Innenministerium und dem Betreiber, der Diakonie, besprochen.“

Grund für das nun vorrangige Engagement in Osnabrück sei die noch offene Einigung zwischen dem Eigentümer und dem Land hinsichtlich der zunächst ins Auge gefassten Einrichtung in Osterode. Nach aktuellen Erkenntnissen von Stefan Schölermann vom NDR hat der Landkreis Osterode bestätigt, dass viele Räume der Kaserne mit Giftstoffen wie Asbest, Glaswolle und krebserregendem PCB belastet und deshalb für einen Daueraufenthalt zurzeit nicht geeignet sind. Eine Schadstoffbeseitigung sei notwendig, aber nur unter Atemschutz möglich.

Ein Vielfaches der von Princess of Finkenwerder veranschlagten Summe von 1,5 Millionen Euro sei erforderlich, um die Kasernengebäude wieder bewohnbar zu machen. Nun ist von einer zweistelligen Millionensumme die Rede, die vermutlich weder Wolfgang Koch noch die in wirtschaftlicher Schieflage scheinende Princess of Finkenwerder aufzubringen in der Lage sein werden. Hinzu komme, dass auf dem in einer Zwangsversteigerung für 160.000 Euro erworbenen Areal Grundschulden in Höhe von 380.000 Euro lasteten.

Nach Recherchen von Schölermann sollte eine Vermietung der Kasernengebäude bereits zum Juni 2015 erfolgen. Potentiellen Investoren sei versprochen worden, pro Flüchtling 48 Euro und Tag einzunehmen, was Umsatzerlösen von 8,6 Millionen Euro pro Jahr entsprochen hätte. Vor diesem Hintergrund sieht sich die Bürgerinitiative „Für Osterode“ e.V. in ihren bereits im März geäußerten Bedenken, bei einem gewinnorientierten Investor werde die Unterbringungsqualität zugunsten der Renditeorientierung leiden, mehr als bestätigt.

„Die Probleme, die mit der Nachnutzung der ehemaligen Kasernengebäude verbunden sind, erreichen fast täglich neue Dimensionen. Wolfgang Koch, der Geschäftsführer der Princess of Finkenwerder sollte sich seiner Verantwortung stellen“, so Jon Döring von der BI, „wir glauben allerdings nicht, dass Princess of Finkenwerder die notwendigen Mittel für eine Sanierung bei Investoren einwerben kann. Wir sind auch nicht mehr davon überzeugt, dass ein so intransparent agierendes Unternehmen ein geeigneter Vertragspartner des Landes Niedersachsen sein kann.“

NDR Info mutmaßt inzwischen, dass man im Umfeld der Firma nicht mehr von deren Überlebensfähigkeit überzeugt sei und ein neues Firmendach zu schaffen versuche. Man habe im Handelsregister beim Amtsgericht Hamburg eine am 30. Juni 2015 eingetragene neue Firma „Neue Kaserne OHA GmbH“ entdeckt, deren Unternehmensgegenstand „der Erwerb, das langfristige Halten und die Verwaltung von eigenem Vermögen einschließlich der Vermietung von eigenen Immobilien – insbesondere auch von ehemaligen Kasernen“ sei.